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Archiv: September 2010

Video: Der Weg zu einem Green New Deal der Städte

28. September 2010, Comments (0)

Im Rahmen der Konferenz Greening the City – Strategien für einen Green New Deal der Städte diskutierten Dr. Eric Schweitzer, Präsident der Industrie und Handelskammer Berlin, Ramona Pop, MdA, Fraktionsvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Arbeitsmarktpolitische Sprecherin, Prof. Claudia Kemfert, DIW, Abteilungsleitung Umwelt, Verkehr, Energie und Professorin für Energieökonomie an der Hertie School of Governance sowie Ralf Fücks, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, über Wege, den Green New Deal auf kommunaler Ebene umzusetzen.

Amerikanische Umwege zu einer sozial-ökologischen Politik

27. September 2010, Comments (0)

Von Klaus Linsenmeier, Leiter hbs-Büro Washington

Im Land des historischen New Deals spielt der Begriff Green New Deal außerhalb des demokratischen Lagers kaum eine Rolle. Das hat vor allem politische Gründe. New Deal ist in den USA ein Synonym für eine besondere, eher europäische Variante des Wohlfahrtstaates, welcher der Demokratischen Partei in den 1930er Jahren eine lange Vorherrschaft bescherte, der aber nach dem Zweiten Weltkrieg gerade von den konservativen Republikanern heftig bekämpft wurde. Heute wird Amerika wieder von einem Präsidenten regiert, der dem Denken des New Deals sehr nahe steht: Barack Obama ist sicher kein Grüner, das verhindert schon seine Nähe zur US-Atomlobby. Jedoch ist ihm und seinen Beraterinnen und Beratern die Bedeutung der Klimakrise sehr bewusst und die regierenden Demokraten betonen immer wieder, wie wichtig eine ökologische Umsteuerung der Wirtschaft ist.

Die praktischen Konsequenzen finden sich in den Umweltelementen der verschiedenen Konjunkturprogramme, bei denen erneuerbare Energien und die Verbesserung der Energie- und Transportinfrastruktur eine große Rolle spielen. Doch die politische Polarisierung, wie sie jüngst bei der Debatte um die Reform des Gesundheitswesens deutlich wurde, verhindert die Verwendung des Begriffs (Green) New Deal.

Dies würden die Republikaner als Herausforderung begreifen. Einen solchen Affront können sich die Demokraten nicht leisten, denn die Verfassung nötigt die regierende Partei, den Konsens mit der Minderheitsfraktion zu suchen. In der aktuellen Umweltdebatte werden deshalb vor allem Argumente ins Feld geführt, die zumindest bei moderaten Republikanern auf fruchtbaren Boden fallen. Im Zentrum steht das Argument, mit erneuerbaren Energien Arbeitsplätze und mehr Energiesicherheit zu schaffen, aber auch die verstärkte Ausbeute heimischer fossiler Energiequellen. Das wird auch durch neue gesellschaftliche Bündnisse wie der “Blue Green Alliance”, einem Zusammenschluss von Umweltverbänden und Gewerkschaften, propagiert.

Gut die Hälfte der US-Bevölkerung steht der Klimadebatte jedoch skeptisch bis ablehnend gegenüber. Zwar haben die Demokraten 2009 ein Klimagesetz erfolgreich durch das Repräsentantenhaus gebracht. Doch die größere Herausforderung, die Debatte im Senat, steht noch aus. Der parteiübergreifende Entwurf dafür macht allerdings die Entschlossenheit der Regierung deutlich, ein umfassendes Klimagesetz auf den Weg zu bringen, das mehr ist als ein Energiesicherungsgesetz. Dies wird nur gelingen, wenn die mächtige Öl-, Gas-, und Nuklearlobby und ihre Verbündeten im Automobil- und Agrarsektor ihren Anteil gesichert bekommen. Die Industrielobbyisten aus den Bundestaaten haben “ihre” Abgeordneten längst im Visier. Schließlich stehen im Herbst die ersten Midterm Elections an, ein wichtiger Halbzeit-Test für die Regierung. Reformorientierte Demokraten fürchten – sicher zu Recht – dann reihenweise abgestraft zu werden.

Foto: Thomas Hawk. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Bilder und Videos von der Konferenz Greening The City

23. September 2010, Comments (0)

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Greening The City – das schreiben die anderen

21. September 2010, Comments (0)

Im Blog von reset.to schreibt Sarah Indra über die Veranstaltung “Greening The City” in Berlin am vergangenen Wochenende.

Sie kommt zu diesem Fazit:

Für mich ist als Fazit stehengeblieben, dass es nicht eine Strategie gibt, Städte grüner zu gestalten, sondern viele Wege zum Ziel führen. Dabei sind wir eigentlich erst am Anfang. Auffällig ist, dass alle vorgestellten Projekte und Ideen bisher fast ausschließlich als Einzelbeispiele dastehen. Konsens der Teilnehmer der Konferenz aber war, dass wirkliche tiefgreifende Veränderung hin zu grüneren und lebenswerteren Städten nur über einen städtischen/ nationalen/ internationalen Masterplan passieren kann, dem sich alle Maßnahmen eingliedern.

Video: Von verkehr(t) zu richtig mobil!

21. September 2010, Comments (0)

Ist Mobilität ein menschliches Grundbedürfnis? Bedeutet freie und sichere Mobilität Lebensqualität? Ist soziale Teilhabe und Kommunikation nur mobil denkbar oder zerstört sie nicht eher, was sie sucht? Zu welchem Handeln zwingen uns die noch steigenden Energiepreise und zunehmenden Klimaveränderungen? Wie soll dies aussehen? Wie wollen wir leben?

mit
* Barbara Lenz, Leiterin des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Sonderprofessur TU Berlin Verkehrsnachfrage und Verkehrswirkung
* Weert Canzler, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Initiator der „Projektgruppe Mobilität”
* Wolfgang Lohbeck, Klima- und Verkehrsexperte bei Greenpeace
* Martin Oldeland, Vorstandsmitglied B.A.U.M. e.V. (Bundesdeuscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management)

Moderation:
* Heike Wohltmann, plan-werkStadt, Büro für Stadtplanung und Beratung, Bremen

Wege zu einem Green New Deal der Städte

20. September 2010, Comments (0)

Berlin, 17. September 2010

Der weltweite Energiebedarf steigt. Die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt in Städten, womit diese die größten CO2-Emittenten darstellen. Städte stehen vor der Herausforderung, die Bedürfnisse nach Energie und Mobilität zu sichern und gleichzeitig für eine möglichst hohe Lebensqualität Sorge zu tragen. Um die richtigen Antworten und Strategien zu entwickeln, sind Städte auch Experimentierfelder. Die technischen Innovationen sind ein Schlüssel, diesen Herausforderungen zu begegnen.

Die technische Entwicklung sind die Beschäftigungspotenziale der Zukunft in Deutschland. Eine besondere Bedeutung kommt Berlin zu, dass bereits ca. 40.000 Jobs im Bereich der Green Economy hat. Die hervorragenden Rahmenbedingen mit zahlreichen Institutionen aus Wissenschaft und Forschung bieten die Chance, ein Kompetenzzentrum für grüne Technologien in Deutschland und Europa zu werden. Damit ebenfalls verbunden ist, wieder eine nennenswerte neue Industriestruktur aufzubauen und den Anteil von zum Teil prekären Jobs im Dienstleistungssektor zu verringern. Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, erwartet eine Zunahme an qualifizierten Arbeitsplätzen. Sie mahnt den zunehmenden Fachkräftemangel in Berlin und Brandenburg an. Da für gut ausgebildete Hochschulabsolvent_innen derzeit keine Jobangebote bestehen, wandern diese ab und gehen der Region verloren. Für die neuen Jobs der Green Economy müssen sich auch die Ausbildungsangebote verändern und anpassen. (more…)

Neue Mobilitätskonzepte für die Stadt

20. September 2010, Comments (0)

Berlin, 17. September 2010

Die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte ist für den Klimaschutz, für eine erhöhte Lebensqualität sowie für die Daseinsvorsorge unumgänglich, wie Claudia Hämmerling, verkehrspolitische Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen, einleitend erklärt. Der Straßenverkehr hat sich in Berlin seit 1990 um 30% erhöht. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, ist neben einer Verhaltensänderung aller Verkehrsteilnehmer_innen das Einsetzen neuer Konzepte notwendig.

Andreas Leo, Pressesprecher des Daimler-Projekts Car2Go, stellt das neue Car2Go-Projekt von Daimler als Weiterentwicklung von Carsharing vor. Daimlers Kerngeschäft bleibt zwar weiterhin der Autoverkauf, mit diesem neuen Geschäftsmodell allerdings geht Daimler auf die heutigen Trends in der Gesellschaft ein. Aufgrund der Urbanisierung, der Marktveränderung (das eigene Auto als Statussymbol verliert an Bedeutung) und der zunehmenden Einschränkungen bezüglich des motorisierten Individualverkehrs in den Innenstädten, steigt der Bedarf an alternativen Transportmitteln. Besonders an der neuen Carsharing-Variante, die Daimler bietet, sei die hohe Flexibilität. Anstatt an festen Stationen können die Fahrzeuge in der gesamten Stadt abgestellt werden; es sind keine Reservierungen nötig und Oneway-Fahrten sind möglich. Das Projekt wurde in Ulm sowie in Austin, Texas, USA, realisiert und weise in beiden Städten hohe Kundenzufriedenheit auf. Aktuell werden weitere Gespräche mit Städten in Europa und Nordamerika geführt.

Sarah Rubinstein von Dixon Jones Architekten, Leiterin des Exhibition Road-Projekt in London, stellt das Shared Space Projekt in der Exhibition Road in London vor. Aufgrund der Lage der Straße inmitten wichtiger Museen und anderer Institutionen mit hohem Fußgängeraufkommen stellte die gewöhnliche Straßenaufteilung große Probleme dar, da die Fußwege verhältnismäßig klein und die stark befahrene Fahrbahn schwer zu überqueren war. Durch einen neuen Straßenbelag und die Verlegung des motorisierten Verkehrs auf nur eine Hälfte der Straße werde eindeutig den Fußgängern mehr Bedeutung zugeschrieben. Von den Autofahrern wird erhöhte Aufmerksamkeit und Rücksicht abverlangt. Eine Shared Space Zone in der Londoner Innenstadt einzurichten, bedurfte zwar vieler Diskussionen, stelle sich aber inzwischen als sehr erfolgreiches und gelungenes Projekt dar.

Dr. Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Bremen, fordert bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte, alle Nachteile der heutigen Mobilität zu berücksichtigen und sich nicht nur auf einzelne Probleme zu beschränken. So beheben zum Beispiel Elektroautos zwar das Problem des Ressourcenverbrauchs, nicht aber das des Flächenverbrauchs. Weiterhin benennt er diverse Maßnahmen, die in Bremen unter dem Leitbild ‘Bremen 2020′ umgesetzt werden sollen. Dies seien die Steigerung und Verbesserung des Rad- und Fußverkehrs, der Ausbau und die Optimierung des ÖPNV, die Förderung alternativer Transportmittel sowie die Privilegierung einzelner Verkehrsträger.

In der abschließenden Podiumsdiskussion betont Prof. Dr. Barbara Lenz, Leiterin des Instituts für Verkehrsforschung an der FU-Berlin, dass es nicht die eine große Idee für die Verbesserung der aktuellen Verkehrssituation gibt, sondern dass diese aus vielen kleinen Bausteinen bestehe; Bausteine wie die zuvor genannten Konzepte. Um das Auto allerdings komplett aus der Stadt zu verbannen, müssen wir noch innovativer und mutiger an neue Konzepte herangehen.

Ein Artikel von Meike Hartmuth

Die Diskussion fand im Rahmen der internationalen Konferenz “Greening the City- Strategien für einen Green New Deal der Städte” statt.

Strategien für urbanen Klimaschutz

20. September 2010, Comments (0)

Berlin, 17. September 2010

Anja Hajduk, Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg, äußert ihre Freude darüber, dass Hamburg den Titel Europäische Umwelthauptstadt verliehen bekommen hat. Mit diesem Titel sei jedoch eine große Verantwortung verknüpft. Zwar sei der CO2-Ausstoß mit knapp 10 t pro Kopf geringer als in anderen deutschen Großstädten, doch läge dieser noch oberhalb von anderen Städten wie beispielsweise Stockholm. Sie weist auf die ehrgeizigen Klimaziele des Hamburger Senats hin, nämlich das verbindliche CO2-Reduktionsziel von 40 % bis 2020 und mindestens 80 % bis 2050. Hajduk stellt einige innovative Projekte vor, so zum Beispiel den Energieberg und den Energiebunker im Rahmen der IBA Hamburg sowie das neu gegründete Stadtwerk Hamburg Energie. Der Masterplan Klimaschutz des Senats soll im Oktober 2010 verabschiedet werden und umfasst unter anderem die Themen Mobilität und energetische Gebäudesanierung.

Dr. Fritz Reussig vom Potsdam-Institut für Klimaforschung bewertet den Klimadiskurs der letzten Jahre positiv. Er bezeichnet die Städte global sowohl als Opfer, beispielsweise durch Überflutungen wie in New Orleans, als auch als Täter, da sie das meiste CO2 emittieren. Er weist darauf hin, dass Städte von anderen Städten lernen sollten, vor allem was Möglichkeiten betrifft, den CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Auch über Lebensstile müsse man reden, da erst Lebensstile und Technologien zusammen das Emissionsniveau ergäben. Als Beispiel nennt er die als Null-Emissions-Stadt geplante Universitätsstadt Masdar in den VAE. Dort würden Bewohner mit einem Handbuch für das Leben in der Stadt instruiert. Er bringt Emissionshandel zwischen Lebensstilgruppen als Idee ins Spiel und verweist auf die Kraft positiver Beispiele wie die Disko, die Strom erzeugt.

Fabian Tacke, Vorstand der KlimaGut Immobilien AG in Berlin, legt das Hauptaugenmerk auf die Thematik der Gebäude innerhalb der Städte, da sie 40 % der CO2-Emission ausmachten. In diesem Kontext nannte er die Diskussion über Energiesparlampen einen Nebenkriegsschauplatz. Er formulierte das langfristige Ziel, hier die CO2-Emission zu 100 % zu reduzieren. Die Kosten für die energetische Gebäudesanierungen seien nicht wesentlich höher als bei „normalen“ Sanierungen. Die Kaltmiete in den sanierten Gebäuden würde für die Mieter steigen, die Nebenkosten würden sinken. Insgesamt rechnet er jedoch mit einem Anstieg der Gesamtmiete um ca. 25 %. Oft reichten schon einfache Maßnahmen, und große Einsparungseffekte zu erzielen. Weiter schlug er vor, auf institutioneller Ebene Fördermaßnahmen zu beschließen, die die Erreichung des 100%-Ziels weiter flankieren, und die Gebäudesanierung in den Emissionshandel mit einzubeziehen.

In der nachfolgenden Diskussion wird insbesondere auf den (scheinbaren) Wiederspruch aus Sozialverträglichkeit und Klimaschutz aufmerksam gemacht. Anja Hajduk und Franz Schulz, Bezirksbürgermeister und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung von Friedrichshain-Kreuzberg, machen deutlich, dass die von Fabian Tacke eingebrachte Zahl von 25 % Aufschlag auf die Gesamtmiete sozial unverträglich seien. Die von Franz Schulz eingebrachte Mieterhöhung bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften von 50 Cent/m2 wird hingegen als akzeptabel angesehen. Anja Hajduk moniert, dass die soziale Frage nicht als „Totschlagargument“ gegen die energetische Gebäudesanierung eingesetzt werden dürfe. Franz Schulz warf zudem die Frage auf, warum Wärmegewinnung aus Abwasser nicht möglich sei. Hajduk nennt die dezentrale Energieerzeugung, Fernwärme aus regenerativen Energien und die Veränderung des Verkehrsverhaltens als entscheidende Stellschrauben für wirksamen städtischen Klimaschutz.
Bei der die Diskussion abschließenden Befragung des Publikums wird gefordert, die Bevölkerung mit der Wahrheit zu konfrontieren und Fakten zu liefern. Eine Klimapolitik ohne soziale Abfederung sei nicht wünschenswert. Damit der Lebensstil der urbanen Bevölkerung sich ändere, müsse sie mitgenommen werden auf dem Weg hin in die völlige Abkehr von fossilen Energieträgern.

Ein Artikel von Oliver Heil

Die Diskussion fand im Rahmen der internationalen Konferenz “Greening the City- Strategien für einen Green New Deal der Städte” statt.

Von der Vision zur Realität – Stadt nachhaltig planen und bauen

20. September 2010, Comments (0)

Berlin, 17. September 2010

Kees Kaan, Amsterdamer Architekt und Urbanist, erläutert Wege, die Potenziale von Städten klimagerecht und nachhaltig zu nutzen. Am Beispiel der Städte Amsterdam, Rotterdam und Frankfurt verdeutlicht er, welche Folgen die Ausdehnung der Städte, der demographische Wandel, die Veränderung der Wohnvorstellungen haben. Nicht nur die Nutzung von Gebäuden und des öffentlichen Raums, auch die Vorstellungen von Stadtentwicklung und Urbanität müssen, seiner Meinung nach, grundlegend überdacht werden. Dabei gilt es für Flächen und Gebäuden zusätzliche Nutzungen zu ermöglichen, um somit Bausubstanz und Freiraum sinnvoll (aus-)zunutzen. Jede Stadt steht dabei vor der Herausforderung, den eigenen Weg zur Dichte zu finden. Während in Rotterdam, aufgrund begrenzter Ausdehnungsmöglichkeiten eine hohe Dichte mit Hochhäusern erzielt wird, wird in Amsterdam eine hohe Dichte bei flacher Bebauung mit Flächenreserven im Hafenbereich erziehlt.

In El Prat de Llobregat bei Barcelona stehen die Planer vor anderen Aufgabenstellungen: die Entwicklung eines nachhaltigen und zentralen Stadtquartiers auf einer ehemaligen Gewerbefläche, welche von nationaler Verkehrsinfrastruktur (Schnellzug) durchzogen wird. Sergi Alegre, Stadtrat für Stadtentwicklung in El Prat de Llobregat, macht deutlich, dass vor allem die Beteiligung der Bürger_innen eine besondere Rolle im Planungsprozess spielt. Demnach soll sich der künftige Stadtteil und neues Zentrums der Metropolregion Barcelona durch eine dichtes ÖPNV-Netz, Fußgängerzonen, eine optimale Anbindung per Bahn und Pkw sowie durch Nutzungsmischung und eine heterogene Bevölkerungsstruktur auszeichnen. Die Nachhaltigkeit in der Bauweise und die Grünflächenplanung haben bei der Umsetzung des Masterplans für das Quartier höchste Priorität. Das Viertel wird zu über 50 Prozent aus Grünflächen bestehen und stellt damit den größten städtischen Spaniens dar.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wird deutlich, mit welchen Herausforderungen und Problemen die Visionen einer nachhaltigen Stadtentwicklung konfrontiert werden. Gaby Morr, Geschäftsführerin der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, betont, dass die Diskussion um eine neuen Definition von Dichte und Urbanität sowie die Möglichkeiten der optimalen Konzeption des ÖPNV von großer Bedeutung ist, in der Praxis aber oft auf die fehlende Akzeptanz von BürgerInnen und Verwaltung stößt. Ferner macht Kaan deutlich, dass die Instrumente der gegenwärtigen Stadtplanung oftmals nicht ausreichen, um nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte voranzutreiben. Zudem sehen sich nachhaltige Projekte mit einem enormen bürokratischen Aufwand konfrontiert, der die Realisierung ökologischer Vorhaben behindert. Segri Alegre und Gaby Moor heben die Bedeutung der Bürgerbeteiligung und –aufklärung beim Planungsprozess hervor. „Eine umfangreiche und proffesionelle Kommunikation zwischen Stadt und Bürgern sowie mit privaten Akteuren für eine grüne und nachhaltige Stadtentwicklung ist notwendig.“

Ein Artikel von René Kreichauf

Die Diskussion fand im Rahmen der internationalen Konferenz “Greening the City- Strategien für einen Green New Deal der Städte” statt.

Forum Regenerative Energien: Nachhaltige Wirtschaft und Mobilität

13. September 2010, Comments (0)

Potsdam, 12. September 2010

Am 12. September 2010 fand im Rahmen der Messe Grünkauf das Forum Regenerative Energien zu den Themen “Mobilität der Zukunft” und “Cleantech – wie nachhaltig wirtschaften?” statt. Das ökonomische Modell des 20. Jahrhunderts stößt an die Grenzen seiner Kapazität. Auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg wurde diskutiert, wie wir in Zukunft wirtschaften und wie wir uns zukünftig bewegen wollen.

Clemens Schneider vom Wuppertalinstitut für Klima, Umwelt, Energie und Oliver Schwedes von der TU Berlin stellten dar, dass nachhaltige Mobilitätskonzepte weit mehr bedeuten, als nur den bisherigen Individualverkehr auf Elektromobilität umzustellen. Es müssten ganz neue vernetzte Mobilitätslösungen gefunden werden. Allein auf elektrischen Verkehr zu setzen sei eine Wette auf die Technik und werde unsere verkehrsbedingten Emissionen nur bedingt verbessern. Kritisch wurde unter anderem gesehen, dass das Elektroauto als Lösung für den Stadtverkehr hochgelobt wird, obwohl in der Stadt zunehmend auf Autoverkehr verzichtet werden kann. Als Teil einer integrierten Verkehrspolitik neben Fahrrad und ÖPNV stellten Elektrofahrzeuge jedoch eine sinnvolle Ergänzung dar. Die Chance im ländlichen Raum und damit für einen Großteil Brandenburgs bestehe vor allem in der Rolle als Zubringer.

Andreas Manthey vom Bundesverband Solare Mobilität stellte eine Reihe von zukunftsweisenden Entwicklungen im Herstellerbereich dar. Er verdeutlichte aber auch, dass das Betanken mit erneuerbaren Energien ebenso wichtig sei wie ein geringer Verbrauch an Strom insgesamt, um mit Elektrofahrzeugen positive Klimawirkungen zu erzielen. Ulrich König stellte als Projektverantwortlicher die Modellregionen Elektromobilität Aachen und Berlin (mit Reichweite nach Brandenburg) vor, in denen integrierte nachhaltige Verkehrskonzepte unter Einbeziehung von Elektroautos im Car-Sharing-Bereich derzeit erprobt und bisher gut angenommen werden.

Die Podiumsdiskussion zum Thema „Wie können, wie wollen wir uns bewegen?“ mit Andreas Manthey, Michael Müller-Görnert vom VCD und Beres Seelbach von Lautlos durch Deutschland zeigten, dass bisher vor allem die politischen Rahmenbedingungen fehlen, um Mobilität nachhaltiger zu gestalten. Die Bundesregierung setze vor allem auf technische Lösungen, für Alternativen würden kaum Forschungs- oder Projektgelder bereit gestellt. Kommunale und private Ansätze seien natürlich möglich und werden realisiert, könnten aber besser unterstützt werden. Gleichzeitig sei es wichtig, für neue Lösungen die Bürger mit ins Boot zu holen, da Mobilität als hohes und kostbares Gut eingeschätzt werde. Die Frage des Flugverkehrs werde leider nur auf der Verhaltensebene beantwortet. Technische Lösungen stehen hier noch aus.

Im zweiten Teil des Forums wurde die Frage ökologischer Produkte und Produktkreisläufe thematisiert. Matthias Finkbeiner, Prof. für Systemumwelttechnik an der TU Berlin, zeigte die Fallstricke bekannter Instrumente zur Nachhaltigkeitsbewertung auf. Einen Königsweg für die Nachhaltigkeitsbewertung gebe es nicht, wichtig sei jedoch, sich der Komplexität von Produktkreisläufen und Umweltwirkungen bewusst zu sein. Als dem Königsweg schon sehr nahe präsentierte Dagmar Parusel von der EPEA Internationale Umweltforschung das Cradle to Cradle-Konzept, welches den gesamten Lebenszyklus eines Produktes betrachtet. Vision des Konzeptes ist, Produkte so zu designen, dass keine Abfälle mehr produziert und alles Gebrauchte wieder neuen natürlichen oder technischen Prozessen zugeführt wird. Im Gegensatz dazu setzt die Verbraucher-Initiative auf mündige KonsumentInnen, wie Georg Abel verdeutlichte. Wichtig sei es jedoch, sich im Labeldschungel zurechtzufinden. Die Verbraucherinitiative biete an dieser Stelle Unterstützung.

Die regen Diskussionen zeigten, dass noch viele Fragen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Mobilität offen sind. Dennoch stimmte die Debatte insgesamt optimistisch, denn bestehende zukunftsfähige Ansätze, Produkt- und Konzeptentwicklungen fassen mehr und mehr Fuß.

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Green New Deal – Investieren in die Zukunft

Die Heinrich-Böll-Stiftungen bieten ein Forum für Vernetzung und Auseinandersetzung mit dem Ziel, Ökologie und Ökonomie zusammen zu denken und das ökonomische Handeln an gesellschaftlicher und globaler Verantwortung auszurichten.

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