Mit sauberer Landwirtschaft Zukunft schaffen – ein Interview mit Klaus Feick « Green New Deal

Mit sauberer Landwirtschaft Zukunft schaffen – ein Interview mit Klaus Feick

4. Oktober 2011,

Klaus Feick ist Agraringenieur und betreibt in Sachsen-Anhalt einen landwirtschaftlichen Betrieb, der nach Bioland-Kriterien arbeitet. Vor kurzem gründete sich der Bioland-Landesverband Ost, dessen Vorstandsvorsitzender Feick ist. Am Rande der Veranstaltung “Arm aber Bio” am 22. September in Halle/Saale sprach Anja Hotopp mit dem Landwirt.

Wieso wurden Sie Biolandwirt?

Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Odenwald (Südhessen) aufgewachsen und war von klein auf in die Arbeit auf dem elterlichen Hof eingebunden. Dabei hat mich schon in der Jugendzeit der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gestört und ich habe mich gefragt, warum wir zur Produktion von Dingen, die wir essen wollen und die gesund sein sollen, Mittel benutzen, die uns umbringen können. Das war der Grund, mich mit Alternativen zu beschäftigen, wodurch ich zum biologischen Landbau kam.

Wofür steht Bioland?

Wir als Bioland-Betriebe verstehen uns als Wertegemeinschaft. Die Basis hierfür bilden unsere Produktionsrichtlinien, die deutlich über den gesetzlich definierten Mindeststandard für Bio hinaus gehen. Dazu zählen unter anderem regionale Handelsbeziehungen oder auch ein fairer Umgang mit unseren MitarbeiterInnen und HandelspartnerInnen. Für all dies steht Bioland. Die Bekanntheit des Zeichens und das Vertrauen, das unsere KundInnen ihm entgegen bringen, unterstreichen die Bedeutung des Bioland-Zeichens.

Wie sinnvoll sind Siegel? Was wären die Alternativen, um Produkttransparenz zu erreichen?

In einer immer komplexer werdenden Welt ist der Wunsch nach einfachen, klar erkennbaren Inhalten in Form von Siegeln nur allzu verständlich. Doch wird die Siegelvielfalt selbst zum Problem, weil sie nicht mehr durchschaubar ist. Es macht daher keinen Sinn, jedes nur erdenkliche Qualitätskriterium mit einem Siegel darstellen zu wollen. Wir können die VerbraucherInnen nicht frei sprechen, sich umfassend zu informieren. Diese Notwendigkeit wird in Zukunft sogar noch weiter zunehmen, selbst innerhalb des Bio-Sektors.

Ist die Politik zu zögerlich, um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten?

Unsere Gesellschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen und die Landwirtschaft spielt bei der Bewältigung vieler dieser Herausforderungen eine wichtige Rolle. Der ökologische Landbau hat unter Beweis gestellt, dass er viele Lösungsansätze bietet, hinsichtlich Artenschutz, Klimaschutz, Ressourcenschutz, Tierschutz und Trinkwasserschutz, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Politik verfährt noch viel zu sehr nach dem Motto der Sicherung des status quo. So wie die Politik inzwischen erkannt hat, dass die erneuerbaren Energien Zukunft sind, müsste sie auch erkennen, dass die dem Ökolandbau zugrunde liegenden Prinzipien die Landwirtschaft der Zukunft darstellen. Solange dies nicht geschieht, wird es auch weiterhin Verteilungskämpfe um die zur Verfügung stehenden Gelder geben. Dabei müssen wir deutlich machen, dass der Ökolandbau eine Vielzahl gesellschaftlicher Leistungen erbringt, die entsprechend honoriert werden müssen.

Wie ist die Landwirtschaft und Tierhaltung in den neuen Ländern, speziell in Sachsen-Anhalt aufgestellt?

Die Landwirtschaft zählt sicher zu den Wirtschaftszweigen, die sich seit der Wende in den neuen Bundesländern am besten entwickelt haben. Die historisch bedingte größere Flächenausstattung der Betriebe war hierfür von großem Vorteil. Für die Tierhaltung trifft dies nicht in dem Maße zu. Hier wurden Bestände massiv abgebaut. Derzeit ist zu beobachten, dass gerade in bevölkerungsarmen Regionen Ostdeutschlands wie der Altmark größere Stallbauvorhaben geplant sind, insbesondere im konventionellen Schweine- und Geflügelbereich. Mit unserem Verständnis von Landwirtschaft hat dies wenig zu tun. Angesichts von Exportüberschüssen halten wir nichts davon, die Produktionskapazitäten weiter auszudehnen. Vielmehr sollte der Bereich kleinerer und mittlerer Verarbeitungsstrukturen gestärkt werden, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt.
Eine weitere Entwicklung, die wir mit Sorge beobachten, ist die, dass zunehmend kapitalkräftige Investoren aus dem nicht landwirtschaftlichen Bereich sich große Flächen sichern, um beispielsweise in die Biogasproduktion zu investieren. Hier führt die derzeitige Ausgestaltung des EEG zu einer absoluten Fehlentwicklung. Viele landwirtschaftliche Betriebe können da nicht mithalten, denn weder verfügen sie über das notwendige Eigenkapital noch werfen die landwirtschaftlichen Produktionen entsprechende Gewinne ab.

Erst kürzlich wurde der Bioland-Landesverband Ost gegründet, deren Vorstandsvorsitzender Sie nun sind. Der Landesverband vertritt die sogenannten fünf neuen Bundesländer. Was hat die Gründung notwendig gemacht?

Die Betriebe im Osten haben auch 20 Jahre nach der Wende viele Gemeinsamkeiten und Rahmenbedingungen, die sie von der Mehrzahl der Betriebe im Westen unterscheiden und die großen Einfluss auf die Betriebsentwicklung haben. Es sind noch immer strukturschwache Regionen mit geringerer Kaufkraft, teilweise ungeklärten Eigentumsverhältnissen, dünnerer Eigenkapitalausstattung, Flächenkonkurrenz, BVVG-Flächen. Daher ist es sinnvoll, die Vertretung dieser Betriebe zu bündeln.
Im Laufe der Jahre ist die Anzahl der Bioland-Betriebe auch in den ostdeutschen Bundesländern weiter gewachsen. Um diesem Wachstum als Verband gerecht zu werden und ein entsprechendes Leistungsangebot für die Betriebe anbieten zu können in Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, politische Interessenvertretung etc., mussten auch die Aktivitäten des Verbandes verstärkt werden, wodurch sich auch immer mehr Mitarbeiter, die für die Betriebe im Osten tätig waren, vernetzt haben.

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