Berlin, 17. September 2010
Die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte ist für den Klimaschutz, für eine erhöhte Lebensqualität sowie für die Daseinsvorsorge unumgänglich, wie Claudia Hämmerling, verkehrspolitische Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen, einleitend erklärt. Der Straßenverkehr hat sich in Berlin seit 1990 um 30% erhöht. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, ist neben einer Verhaltensänderung aller Verkehrsteilnehmer_innen das Einsetzen neuer Konzepte notwendig.
Andreas Leo, Pressesprecher des Daimler-Projekts Car2Go, stellt das neue Car2Go-Projekt von Daimler als Weiterentwicklung von Carsharing vor. Daimlers Kerngeschäft bleibt zwar weiterhin der Autoverkauf, mit diesem neuen Geschäftsmodell allerdings geht Daimler auf die heutigen Trends in der Gesellschaft ein. Aufgrund der Urbanisierung, der Marktveränderung (das eigene Auto als Statussymbol verliert an Bedeutung) und der zunehmenden Einschränkungen bezüglich des motorisierten Individualverkehrs in den Innenstädten, steigt der Bedarf an alternativen Transportmitteln. Besonders an der neuen Carsharing-Variante, die Daimler bietet, sei die hohe Flexibilität. Anstatt an festen Stationen können die Fahrzeuge in der gesamten Stadt abgestellt werden; es sind keine Reservierungen nötig und Oneway-Fahrten sind möglich. Das Projekt wurde in Ulm sowie in Austin, Texas, USA, realisiert und weise in beiden Städten hohe Kundenzufriedenheit auf. Aktuell werden weitere Gespräche mit Städten in Europa und Nordamerika geführt.
Sarah Rubinstein von Dixon Jones Architekten, Leiterin des Exhibition Road-Projekt in London, stellt das Shared Space Projekt in der Exhibition Road in London vor. Aufgrund der Lage der Straße inmitten wichtiger Museen und anderer Institutionen mit hohem Fußgängeraufkommen stellte die gewöhnliche Straßenaufteilung große Probleme dar, da die Fußwege verhältnismäßig klein und die stark befahrene Fahrbahn schwer zu überqueren war. Durch einen neuen Straßenbelag und die Verlegung des motorisierten Verkehrs auf nur eine Hälfte der Straße werde eindeutig den Fußgängern mehr Bedeutung zugeschrieben. Von den Autofahrern wird erhöhte Aufmerksamkeit und Rücksicht abverlangt. Eine Shared Space Zone in der Londoner Innenstadt einzurichten, bedurfte zwar vieler Diskussionen, stelle sich aber inzwischen als sehr erfolgreiches und gelungenes Projekt dar.
Dr. Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Bremen, fordert bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte, alle Nachteile der heutigen Mobilität zu berücksichtigen und sich nicht nur auf einzelne Probleme zu beschränken. So beheben zum Beispiel Elektroautos zwar das Problem des Ressourcenverbrauchs, nicht aber das des Flächenverbrauchs. Weiterhin benennt er diverse Maßnahmen, die in Bremen unter dem Leitbild ‘Bremen 2020′ umgesetzt werden sollen. Dies seien die Steigerung und Verbesserung des Rad- und Fußverkehrs, der Ausbau und die Optimierung des ÖPNV, die Förderung alternativer Transportmittel sowie die Privilegierung einzelner Verkehrsträger.
In der abschließenden Podiumsdiskussion betont Prof. Dr. Barbara Lenz, Leiterin des Instituts für Verkehrsforschung an der FU-Berlin, dass es nicht die eine große Idee für die Verbesserung der aktuellen Verkehrssituation gibt, sondern dass diese aus vielen kleinen Bausteinen bestehe; Bausteine wie die zuvor genannten Konzepte. Um das Auto allerdings komplett aus der Stadt zu verbannen, müssen wir noch innovativer und mutiger an neue Konzepte herangehen.
Ein Artikel von Meike Hartmuth
Die Diskussion fand im Rahmen der internationalen Konferenz “Greening the City- Strategien für einen Green New Deal der Städte” statt.


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